Heroes Premium Burgers

Eigentlich mag ich Bornheim nicht. Keine Autobahn, keine S-Bahn,  überhaupt ziemlich weit weg von der Frankfurter Innenstadt und Parkplätze soviel wie Grünflächen.  Null. Also komplett und absolut unpraktisch. Aber ach so angesagt. Mit dem Nordend und Sachsenhausen wohl Frankfurts Lieblingsstadteil, wenn man der Meinung der Zugewanderten glauben darf. So viele tolle Inhaber-geführte Läden. Und so nette Kneipen. Und die Menschen – total lieb. Überhaupt alles so lebenswert da. Und die Restaurants – ein Traum. Meine Güte, die Leute schwärmen von Bornheim als gäbs nix besseres. Seit Kurzem gibts dort auch einen Burgerladen. Ergo müsste dieser ja auch die besten Burger servieren. Schaun mer mal. Muss aber schon toll sein, denn eigentlich mag ich Bornheim ja nicht.

Mit der U-Bahn quäle ich mich in den Frankfurter Norden. U-Bahn fahren mag ich eigentlich auch nicht. Bin mit S-Bahn und Auto aufgewachsen, was braucht man da eine langsame U-Bahn?! Egal. Jedenfalls den Laden schnell gefunden. Schade eigentlich, bin viel zu früh dran. Ich komme rein und frage nach meinem reservierten Tisch. Aber die Reservierung hat anscheinend nicht den Weg vom Telefonhörer auf den richtigen Notizzettel gefunden.

Auch egal, außer mir ist kein Mensch da. Ich setz mich einfach neben die Bar, bestelle aus Gewohnheit ein Bier und schaue mich um. WO BIN ICH DENN HIER GELANDET?!

Ambiente

Die Tapete voller Überlebensgroßer Comics. Der Laden total winzig, Platz für vielleicht 20 Leute. Und das Bier kommt in einer mir gänzlich unbekannten Flasche und stellt sich mir unbekümmert als “Steini” vor. Der Name lässt auf nichts Gutes schließen. Überraschenderweise ist das Bier aber tatsächlich trinkbar.

Mein Handy schnurrt. Meine Begleitung verspätet sich – als wenn ich nicht ohnehin schon zu früh bin. Toll, der Abend ist schon fast gelaufen. Und jetzt? Mein Blick fällt auf einen Stapel Comics, der sich in einer Ecke neben meinem Tisch versteckt. Und schwupps – sofort fällt jeder Ärger ab.

Hier muss ich kurz ausholen. Der lediglich am Thema Burger interessierte Leser kann den nächsten Absatz getrost überspringen, nach einer kurzen Einblendung geht es weiter im Programm.

Vor über 10 Jahren habe ich einen alten Schulfreund in Boston gesucht. In dessen Zimmer gab es einen Comicband von Batman, in dem er gegen den mir damals unbekannten Bane, einem mit Steroide vollgepumpten Kampfkoloss,  eine sagenhafte Schlacht ausficht. Am Ende des Kampfes verliert Batman – und Bane bricht ihm sein Rückrat.  Ein Teil meiner Kindheit hat sich auf nimmer wieder sehen verabschiedet. Batman verliert? Wird sogar getötet? Das konnte doch nicht sein, die Geschichte musste weitergehen… aber es gab keinen Folgeband. Ich las diesen Comic in diesem Sommer immer und immer wieder, aber das Ende blieb jedes mal das gleiche und war deprimierend. Ich bin ich zwar seit frühester Kindheit ein Fan von Comics (außer japanischem Manga, denn die sind wirklich unrealistisch wie jeder weiß), aber ich kaufe nur selten und sammle nicht (mehr). Das ungelöste Rätsel um Batmans Ende verschwand im Dunst meiner Kindheitserinnerung. Bis zu diesem Tag im Heroes Burger, denn nun hatte ich endlich die Fortsetzung in den Händen! Die Geschichte geht weiter! Ich erfuhr, dass Batman nicht tot war, sondern… Moment, dass soll jeder selber herausfinden.

8 von 10 Punkten

Als ich wieder aus meinem Kindheits-Flashback aufwachte und den Comic aus den Händen legte, standen vor mir die Reste einer Portion Krautsalat, eine Schüssel Knoblauchbrot und meine mindestens dritte Flasche “Steini”. Ich konnte mich nicht daran erinnern, überhaupt noch etwas bestellt zu haben.  Meine Begleitung erschien und wir bestellten endlich das, weswegen wir den weiten Weg auf uns genommen hatten: Burger!

Fleisch

Die im Comic-Stil gehaltene Speisekarte preist und den Superhero an, den ich eigentlich schon aus Prinzip bestellen will. Aber ich mag keine Champignons und will meine Bewertung nicht von einer Zutat abhängig machen.  Stattdessen bestellen wir beide den “Fat Joe” und damit meinen ersten Burger, der neben den All-Time Favorites auch aus Spiegelei und Remoulade besteht. Und was soll ich sagen? Lecker, lecker, lecker! Der Burger ist selbstgemacht, das medium gebratene Fleisch ist saftig und zart – ein Gaumenschmeichler. Schade, dass man kein “Grill-Aroma” schmeckt, das ich in Köln so lieben gelernt habe. Aber ansonsten kann man nicht meckern. Auch die Größe ist vollkommen in Ordnung, man wird satt ohne sich vollgefressen zu fühlen.

9 von 10 Punkten

Zubehör

Zu den in geistiger Abwesenheit bestellten Krautsalat und Knoblauchbrot gesellten sich nun noch ein Beilagensalat und Kartoffchips. Alles selber gemacht. Und alles vollkommen in Ordnung. Keine Offenbarung, aber einfach lecker. Das Beste war aber der Burger. Fleisch, Speck, Spiegelei (!), Tomate, Salat und Sauce gingen eine sehr harmonische Symbiose ein, die ich so nicht erwartet hätte. Auch das Brötchen war vollkommen in Ordnung.

7 von 10 Punkten

 

Transient

Gesamt

Das wichtigste, nämlich das Fleisch auf den Burger, war topp. Der Rest war gut, übrigens auch das Preis-Leistungsverhältnis. Das leckere Knobibrot kostete mich lediglich einen einzigen Euro und der Burger war mit 7,80 EUR sein Geld vollkommen wert. Ich hätte sogar ohne mit der Wimper zu zucken 8 EUR dafür bezahlt. Abgesehen von der Location kann man sich wirklich nicht beschweren. Aber was soll’s, so ein Laden passt zu Bornheim wie die Faust aufs Auge. Auch wenn ich Bornheim ja eigentlich nicht mag. Aber: als wir satt und glücklich gegangen sind, war der Laden bis auf den letzten Platz besetzt. Spricht für sich – in Bornheim hat man ja Ansprüche an die Gastronomie.

Ist der Heros Burger besser als der Sachsenhäusener Burgermeister? Nein. Ungefähr gleich. Aber im Burgermeister gibts keine Comics.

8 von 10 Punkten