Lohnt sich der Besuch des growthSummit?

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5 Gründe dafür und 1 dagegen

Kennst du das? Da nimmst du viel Geld, Zeit und Strapazen auf dich, um eine Messe oder Konferenz in deinem Fachbereich zu besuchen. Natürlich stellst du dir die Frage : lohnt sich das Ganze?

Es ist schon merkwürdig: als Digital Marketer fährt man ohne mit der Wimper zu zucken nach Köln, um sich zwei Tage lang ins Getümmel der DMEXCO zu stürzen bis einem die Füße weh tun. Man fährt stundenlang nach Hamburg zum Online Marketing Rockstars Festival, um sich an Europas längster Bühne und den vielen musikalischen Acts zu ergötzen. Oder nach München auf die Bits & Pretzels, um mit Gründern und Marketern die eine oder andere Maß Bier zu vernichten.

Aber warum in die Ferne schweifen, wenn das gute so nah liegt?

Zu meiner Überraschung habe ich festgestellt, dass es neben dem OMT in Wiesbaden noch ein zweites, erstklassiges Event hier in der Rhein-Main-Region gibt, dass  nur wenige auf den Schirm haben: den growthSummit direkt in Frankfurt.

Andre Morys beim growthSummit.jpg

Diese Veranstaltung wird bereits seit 2010 von der Bad Homburger Conversion-Agentur Web Arts veranstaltet. Inzwischen ist die Konferenz fleißig gewachsen und ins Kap Europa direkt zwischen Messe und Hauptbahnhof umgezogen. Auf Einladung von Web Arts durfte ich dieses Jahr am growthSummit erstmalig teilnehmen und ich möchte mir dir 5 Dinge teilen, die ich gelernt habe:

 

1. The customer is F*** right - always!

Es gibt diese schöne Legende von Amazon: bei Meetings hat der Gründer Jeff Bezos einen Stuhl freigelassen Dort sitzt die wichtigste Person im Raum: der imaginäre Kunde um dessen Wünsche sich alles zentriert.

“Start with the customer and work backwards!”, so ein Ausspruch von Bezos. Diese kundenzentrierte Mentalität hat Amazon zu einem der erfolgreichsten Unternehmen der Welt gemacht, ohne ihr Potential zur Hälfte ausgeschöpft zu haben. Bezos war leider nicht persönlich da, wurde aber von gefühlt 80% der Speaker als strahlendes Vorbild zitiert.

Auch wir als Marketer wollen den Nutzer stets in den Vordergrund stehen. Aber wie gut sind wir in unserem Job wirklich? Fragen wir uns denn bei jedem Projekt, ob sich der Nutzer wirklich willkommen auf meiner Website fühlt? Hat er, um Karl Kratz zu zitieren, “Peace of mind” und fühlt sich wirklich verstanden? Kennen wir nicht nur seine demografischen Daten, sondern seine Wünsche, Motive und Erwartungen an unsere Seite?

Man sollte sich die Frage stellen: Warum will der Kunde (von mir) kaufen? Wir - und 1000 andere Shops - konfrontieren ihn mit einer langen Liste an Produktfeatures, aber nur die wenigsten holen den Nutzer emotional ab?

Mehr über die Amazon-Philosophie erfährst du hier: http://amzn.to/2xRfn37

 

2. Ich habe von Conversion Optimierung keine Ahnung. Und du auch nicht.

Die Design-Option mit den meisten Stimmen war zumeist die schlechtere

Die Design-Option mit den meisten Stimmen war zumeist die schlechtere

“Have fun with CRO - and don’t be afraid to embarrass yourself!” - Tom Waterfall

Der growthSummit richtet sich primär an Conversion Optimierer und UXler. Eine Welt, in der A/B-Tests eine große Rolle Spielen. Und natürlich lassen es sich die Speaker nicht nehmen, Beispiele aus ihrer Praxis zu zeigen und das Publikum zu fragen, welche der gezeigten Varianten die beste Conversion Rate erzielt hat.

Ich bin inzwischen sehr gut darin geworden, als einer der wenigen für die richtige Version zu stimmen: es ist immer diejenige, der man es am wenigsten zutraut. Diejenige mit dem meisten Text, den Button below the fold oder dem dümmsten Formular. Also die Version, für die ich NICHT stimmen würde.

Natürlich sind die Beispiele der Speaker schon auf einem sehr hohen Level, aber für mich und ca. 80% der Teilnehmer gilt: unsere Erfahrung und unser Bauchgefühl sind scheiße, denn die Kunden verhalten sich nicht so, wie wir uns das gerne vorstellen. Der Kunde hat immer Recht und die Mehrheit der Kunden nutzt das Netz anders als wir. Vertraue niemals deinem Bauchgefühl, sondern messe und analysiere!

 

3. Booking.com ist die beste, schlechteste E-Commerce Seite!

Wie Amazon wurde auch Booking.com häufig als Beispiel erwähnt. NIEMAND mag diese Buchungsseite - aber sie hat es allein mit psychologischen Kniffen geschafft zu einer der umsatzstärksten Webseiten in einem sehr hart umkämpften Markt zu werden.

Nur noch 2 freie Zimmer verfügbar? 149 Nutzer haben sich das Hotel in den letzten 24h angeschaut? Oh mein Gott, ICH MUSS DA BUCHEN!

Booking.com nutzt in seinen Texten gerne und oft das Prinzip der künstlichen Verknappung, die “Fear of Missing Out” (FOMO) und erzeugt damit einen psychologischen Druck, schnell zu buchen. Wie jeder Black Friday bezeugen kann, funktioniert das Prinzip wunderbar.

Neben FOMO gibt es noch eine lange Reihe anderer psychologischer Grundlagen, die das Nutzungs- und Kaufverhalten von uns Menschen unterbewusst beeinflussen. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass diese Prinzipien viel zu selten bei den Entscheidern und Umsetzern bekannt sind und berücksichtigt werden. Mehr dazu bald in meinem Interview mit dem Geschäftsführer von Web Arts André Morys.

Wie Talia Wolf sagte: Most marketers think most customers make logical decisions. Aber dabei sind wir eigentlich nur Opfer unserer Instinkte, Bedürfnisse und Emotionen.

 

4. No Bullshit!

Du bist den ganzen, langen Tag auf einer Konferenz - aber an welche Speaker kannst du dich drei Wochen später noch erinnern? Nicht notwendigerweise an denjenigen mit den meisten Infos oder den hilfreichsten Tipps. Wie bei jeder Konferenz gab es auch auf dem growthSummit eine ganze Reihe von unterschiedlicher Typen, die auf der Bühne standen: vom Experten, der Beispiele aus seiner täglichen Arbeit mitgebracht hat über den Berater, der alles durch eine strategischen Meta-Ebenen-Brille sieht, bis hin zum Guru. An wen wirst du dich erinnern?

Nicht an denjenigen, bei dessen Vortrag du dir am meisten Notizen gemacht hast. Wie beim Kaufen gilt auch beim Erinnern: Emotionen obsiegen gegenüber Logik und Vernunft. Du wirst dich an den Speaker erinnern, der in dir am meisten bewegt hat. Nicht denjenigen mit den schönsten PowerPoint-Charts (Video: "How to avoid Death by PowerPoint), sondern der dich abgeholt hat, weil er weiß wer du bist, warum du hier bist und was dich antreibt - und der das Ganze auch noch in Worte fassen kann, die JEDER versteht.

Karl Kratz beim growthSummit.jpg

Karl Kratz und Karl Gilis sind zwei wunderbare Beispiele dafür. Sie verstecken sich nicht hinter einem Redner-Pult, stattdessen laufen auf der Bühne herum, spielen mit Stimmhöhe und Lautstärke und sprechen das Publikum direkt an, statt auf den Boden oder zu den eigenen Slides zu schauen.Und sie reden keinen Bullshit, sondern sagen dir ehrlich, warum eine Website ihren Zweck nicht erfüllt oder dein Marketing scheiße ist.

Tut gut, so etwas zu hören - solange es nicht die Website deines Kunden ist.

 

5. Stifte Mehrwert!

Jeder, der sich mit Entrepreneurship und Digital Marketing beschäftigt, wird früher oder später auf einen kleinen, lauten Menschen aus New York stoßen: Gary Vaynerchuck. Seine beeindruckende Geschichte vom Hiwi im Weinhandel seines Vaters bis zum CEO einer großen Marketing-Agentur wurde schon oft erzählt (kurzer Abriss hier), deswegen spare ich mir an dieser Stelle eine Wiederholung.

Inzwischen ist “Gary Vee” einer der gefragtesten Keynote Speaker weltweit. Ich persönlich bin kein Fanboy von ihm und vergleiche ihm gerne mit einem wandelnden Motivationsposter. Interessanterweise ist seine wichtigste Message stets: “hör auf mir zuzuhörne und mach dich an die Arbeit! Und je mehr Menschen er darum bittet, ihm nicht mehr zuzuhören, desto mehr tun es.

Gary Vaynerchuck war der Abschlussredner des growthSummit. Ich war skeptisch, aber vorsichtig gespannt. Um nichts von seinem Vortrag zu verpassen, ging ich kurz vorher noch einmal vor die Tür und machte mich auf den Weg zu einer “Bio-Break”. Und kaum dass ich mich versah, sah ich mich Gary (inkl. seiner kleinen Entourage) gegenüber. VOR der Toilette, wohlgemerkt.

Gary Vaynerchuck beim growthSummit.jpg

Ich grüßte und sagte ihm, dass ich mich auf seinen Vortrag freuen würde. Er dankte mir.

Erster Eindruck: netter Kerl. Weitaus nahbarer, als ich es mir gedacht hatte. Wir gingen unserer Wege und für einen ganz, ganz kurzen Augenblick bereute ich es doch, mein Handy nicht dabei gehabt und deswegen kein GaryVee-Fanboy-Selfie gemacht zu haben. Aber nur kurz.

Sein Vortrag war interessant. Keine einzige Folie. Keine handfesten Tipps. Keine “krieg dein Arsch endlich hoch und mach was!” Motivation. Aber über eine halbe Stunde seine Meinung dazu, in welcher wunderbaren, in der Menschheitsgeschichte einmaligen Situation wir sind, welche Möglichkeiten wir als Entrepreneure und Marketer haben und über die Notwendigkeit eines wachen, lernfähigen Mindsets. Inspirierend.

Was mich aber weitaus mehr beeindruckt hat, geschah nach seinem Vortrag. Wie bei jedem anderen Redner auch gab es Gelegenheit für ein Q&A mit dem Publikum. Und JEDER, der Gary eine Frage stellte, begann damit zu beschreiben, welchen wunderbaren, lebensverändernden Effekt Gary auf sein Leben gehabt hat. Wie er (bzw. sie) durch Gary inspiriert worden ist, den Mut zu haben und sein eigenes Unternehmen zu gründen oder in die Selbstständigkeit zu gehen.

Gary Vaynerchuck im Gespräch beim growthSummit.jpg

Es war kein Q&A, denn schnell entwickelte sich ein Zwiegespräch zwischen dem Fragesteller und dem Publikum, als würden sie sich an einer Bar unterhalten und nicht in einer Messehalle vor Hunderten Leuten. Was mich am meisten beeindruckt hat, war diese Dankbarkeit. Es war der Mehrwert, den Gary offensichtlich seinem Publikum liefert. Und dieser Mehrwert geht weit über Marketingwissen und Motivation hinaus. Wir wurden Zeuge eines Guru und seiner Schar aus Jüngern.

 

6. Mein Kopf!

über 9 Stunden Programm. Die volle Dröhnung über Marketing und Conversion Optimierung. Jede Menge Kaffee, ein solala Mittagessen und anschließend ein Energydrink.

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Nach der eigentlichen Konferenz wurde im Foyer bei Bier & Cocktails fleißig gefachsimpelt, genetworked und geplauscht. Diese Mischung ist mir nicht all zu gut bekommen.

Werde nächstes Mal den Kaffee weglassen.

 

Fazit

Von den Kopfschmerzen abgesehen war es eine hervorragende Veranstaltung, die ich gerne jedem empfehle, der mal über den Tellerrand schauen und sich Tipps von einigen der weltbesten Experten holen möchte. Dazu muss man nicht nach Berlin, Hamburg oder München fahren.

Hier gibt es die Infos zum (nächsten) Growth Summit: growthmarketingsummit.com