Space Burger

Unsere kulinarische Reise verschlägt uns dieses Mal in die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens: nach Düsseldorf. Bisher ist diese Stadt vor allem durch ihren Wohlstand, ihre Ferienflieger-Flughafen und ihr überproportioniertes Fussballstadion bekannt, dass in einer weitaus höheren Liga als der hiesige Verein Fortuna spielt.  Und wenn das lokale Alt-Bier stellvertretend für die kulinarische Qualität der Stadt steht, werden wir hier wohl nicht den weltbesten Burger finden.

Aber einen Versuch ist es wert…

Ambiente

In der sehr schönen Düsseldorfer Altstadt – nahe der “längsten Theke der Welt” – ist sie schnell gefunden: die Burgerbraterei “Space Burgers”. Was für ein Name. Das kann nur furchtbar oder furchtbar gut werden. Zu meiner Überraschung erwartet uns nicht etwa eine kleine Burger-Bude, sondern ein “richtiges” Restaurant. So richtig mit Stühlen, Bedienung und Speisekarten. Wir können uns nicht entscheiden, ob uns die Innenausstattung gefällt: da schmiegen sich Kopien berühmter Gemälde mit Gesichtern von aktuellen Schauspielern an tendenziell hässlichen 60er-Jahre-Tapeten, garniert mit schicken, dunkelbraunen Sitzmöbeln. Hier merkt man sofort: ein Fachmann war am Werk. Nicht nur einer, sondern mindestens zwei – und beide haben ihren Stil konsequent durchgesetzt. Das Ganze muss man nicht zwingend mögen, aber es wirkt auf jeden Fall hell und freundlich.

Auch bei der Speisekarte war offensichtlich ein Experte am Werk. Schade, dass er von Grafik,Stil und Typologie keine Ahnung hatte. Die Speisekarte ist auf so famose Art hässlich, dass es schon fast wieder Kult ist… zumindest muss das die Absicht gewesen sein. Auf jeder einzelnen dieser vielen, furchtbaren Seiten, werden die Zutaten des jeweiligen Burgers beschrieben. Meist mit einer Schriftart, die mit traumwandlerischen Sicherheit NICHT zum Hintergrundbild passt und gelegentlich auch noch kaum lesbar ist. Und dazu – und das ist der wirkliche Hammer – ein Foto des jeweiligen Burgers. In einer Qualität, wie es sich keine Touristen-Kneipe auf Mallorca erlauben würde. Das wir nach kurzer Zeit die einzigen Gäste sind, tröstet mich nicht. Eher im Gegenteil. Eigentlich habe ich schon keinen Hunger mehr.

1 von 10 Punkte

Fleisch

Egal, hier geht es nicht um die Innenausstattung und schon gar nicht um die Speisekarte, sondern es zählt nur das einzig Wahre: der Burger! Also her damit.

Ich habe es mir zur Regel gemacht – sofern verfügbar – immer einen Burger mit Bacon und Käse zu bestellen. Zum einen aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit und zum anderen: wenn sie den nicht hinbekommen, was dann?

Vielleicht war mein Gehirn durch den Eindruck der Speisekarte schon überfordert, aber ich bestellte zielsicher an dem Bacon-Käseburger “Barbarella” (kein Witz!) vorbei und hörte mich stattdessen einen “Mahoud” ordern. Einen Burger garniert mit Ananas, Papayas und Currysauce. Keine Ahnung, warum. Es muss das vertrauenserweckende Bild von Homer Simpson auf der Speisekarte gewesen sein.

Nun fällt es mir sehr schwer, das Fleisch zu bewerten, denn: es hatte fast gar keinen Eigengeschmack. Und wenn, dann ist er unter den vielen Curry- und selbstgemachten Burgersaucen vollkommen untergegangen. Das Äußere ließ zumindest darauf schließen, das der Burger durchgebraten war. Und das es sich höchstwahrscheinlich um ein industriell vorgefertigtes Fleisch-Paddy handelte. Sollten die Beilagen eines Burgers nicht das Fleisch komplementieren?

Es ist wie bei einer Hochzeit: Dekoration ist wichtig, Musik ist wichtig, Kuchen ist wichtig… aber letztendlich zählt doch nur die Braut. Darum dreht sich die ganze Geschichte. Und bei einem Burger zählt nur das Fleisch. Und wenn man das nicht schmecken kann, dann verdient das nicht mehr als

2 von 10 Punkten

Transient

Zubehör

Die oben genannten Beilagen auf dem Burger waren per se nicht schlecht… aber sie passen zu Rindfleisch wie die Musik von Tim McGraw zu Nelly (siehe “Over and Over”): einzeln gut, aber die Kombination ist irgendwie merkwürdig und ein bißchen eklig.

Die bestellten Kartoffelecken waren mit an Sichrheit grenzende Wahrscheinlichkeit nicht selbst gemacht, sonder aufgebacken – aber trotzdem ganz lecker. Auch der Salat war auch ok. Na ja.

5 von 10 Punkten

Gesamt

Ok, ich habe den falschen Burger bestellt. Aber da auch meine – in Belangen Burger durchaus erfahrene und kompetente – Begleitung einen anderen Burger ähnlich bewertet hat, erlaube ich mir ein Fazit: lecker ist anders. Interieur und Speisekarte hin oder her: die Burger waren zu überladen mit exotischen Beilagen, das Fleisch langweilig und der Geschmack ist auf der Strecke geblieben. Lecker ist anders. Zumindest die Preise sind – insbesondere für Düsseldorf – leichter verdaulich: zwischen 5,- EUR und 8,50 EUR kostet das Machwerk ohne Beilagen.

2 von 10 Punkten