Heidi & Paul

Transient

Wenn man in Frankfurt aufwächst, hat man zu Eschborn ein sehr gespaltenes Verhältnis. Direkt an der Stadtgrenze, aber doch außerhalb, ist das  20.000 Einwohner starke Städtchen wohl einer der wohlhabendsten Gemeinden in Deutschland. Wo Frankfurt aufhört, fängt der Main Taunus Kreis an. Viele Unternehmen sind von Frankfurt nach Eschborn gezogen, weil dort die Gewerbesteuer niedriger ist. Es ist ein nettes kleines Städtchen, dass allerdings bar jeglicher gastronomischer – oder sonstiger – Highlights ist. Mal abgesehen von dem mit 23m größten Stuhl Deutschlands (der vor einem Möbelhaus steht). Aber ansonsten…?

Ambiente
Direkt im Stadtzentrum – wenn man es den so nennen und Eschborn diesen Rang gönnen möchte – gegenüber dem außergewöhnlich langweiligem Rathaus hat eine Burgermanufaktur namens Heidi & Paul eröffnet. Den Gast erwartet Gastronomie mit System, aber keine Systemgastronomie: man betritt einen hellen, freundlichen Raum, der aussieht wie ein Eiskarton von Ben & Jerry. Helles Grün und Comicfiguren wohin man sieht. Fehlt nur noch, das auch hier Kühe vergnügt auf den Grill hüpfen.  Simple Icons weisen dem Gast den Weg durch Speisekarte und Raum direkt an die Bestelltheke, die den Sitzbereich von der offenen Küche trennt.
7 von 10

Dort wird beim freundlichen Personals – gekleidet in einheitlichen T-Shirts mit der Aufschrift “Heid” bei den Mädels bzw. “Paul” bei den männlichen Angestellten – bestellt und danach ein Tisch ausgesucht. Ein paar Minuten später steht für ca. 6,- EUR jenes Leckerli auf unserem Tisch:

 

Transient

Um Missverständnisse vorzubeugen: es gibt nur einen Burger für o.g. Preis.

Fleisch
Alles Bio. Fettfrei gebraten. Und lecker! Schön saftig. Nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Passt.
7 von 10

Zubehör
Das gibt’s ganz selten: das Fleisch spielt bei Heidi & Paul eigentlich nur die Nebenrolle. Das wird schon bei der Bestellung klar, wenn man verursacht und unvorbereitet die Antwort auf die Frage sucht, ob man lieber ein Bio-Weißmehlbrötchen oder Bio-Dinkel-Hafer-Brötchen möchte. “Bio-Dinkel-Haferbrötchen”?! WHAT?! Wie oben zu sehen, wird der Burger mit sehr frischem Gemüse belegt. Außerordentlich gut ist der beigelegte Krautsalat und das gebackene (!) Gemüse. Sieht aus wie bunte Kartoffelchips und schmeckt sehr ungewöhnlich, aber lecker. Geradezu innovativ. Wir setzen uns nach draußen und wollen unseren Burger in der Sonne bei einem erfrischenden Bier genießen. Bier? Saft, Bionade, buntes-New-Age-Zeugs-dasichnichtkenne, Äppler in Flaschen… ah, ganz unten im Kühlschrank gibt es auch Bier. Ganz versteckt.
8 von 10

Gesamt
Warum gibt es hier eigentlich keinen Kicker und keinen Fernseher? Oder frisch  gezapftes Bier? Heidi & Paul ist ein Betrieb, der sich an die aufgeklärte “Bionade”- Zielgruppe richtet – oder zumindest so tut.  Bio und Frische  stehen augenscheinlich im Vordergrund, man will sich wohl  bewusst vom Wettbewerb absetzen. Hier serviert man nicht einfach nur Burger, hier gibt es ein Lebensgefühl! Und Burger wie Beilagen sind echt lecker! Der Geschmack treibt zwar nicht die Freundentränen in die Augen, aber es gibt absolut nichts auszusetzen, sofern man die genannten Punkte (Bier, Kicker) nicht als essentiellen Bestandteil eines Burgers versteht. Was leider nichts anderes bedeuten würde, als dass es die besten Burger Frankfurts in – seufz – Eschborn gibt. Gut, es könnte schlimmer sein. Immerhin mussten wir nicht nach Offenbach.
7 von 10

Darüber hinaus muss man leider auch zugeben, dass der Internetauftritt ein gelungener welcher ist: übersichtlich, im einheitlichen Layout, informativ. Auch das noch!