Die Sache mit den Agenturen

Verlage sind mit einer Vielzahl von Manuskripten konfrontiert - die meisten entsprechen inhaltlich oder formal nicht den Ansprüchen, die sie verständlicherweise haben. Daher arbeiten Verlage mit Agenturen zusammen, die vorab ein Manuskript prüfen, ein Lektorat organisieren und vielleicht auch schon die ersten Schritte in Sachen Marketing mit dem Autor beschreiten. Der Vorteil? Eine Agentur wird nur dann bezahlt, wenn sie auch ein Manuskript an einen Verlag verkaufen können - und haben natürlich exzellente Kontakte in der Branche.  

Die Sache mit dem Expose

Das Manuskript ist fertig – und nun? Du hast einen Roman geschrieben, ihn überarbeitet und bist nun bereit für den nächsten Schritt? Du willst deine Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln sehen?

Oder hast du einen Plot und willst diesen einem Verlag oder einer Agentur anbieten, bevor du zur Tat schreitest? Dann führt der Weg an einem Exposé nicht vorbei. Hier lernst du, wie du das Exposé schreibst.

Es gibt im Internet zahlreiche Informationen zum Thema, die sich in manchen Punkten überschneiden oder gar widersprechen und jeder scheint seine ganz eigene Definition zum Thema zu haben. Geeignete Bücher zu finden ist mir auch nicht gelungen. Einzig Hans Peter Roentgen und seine „Drei Seiten für ein Exposé“ können einen Anhaltspunkt bieten. Aber auch nicht mehr. Denn roentgentypisch findet der wissbegierige Leser die Informationen zwischen den Zeilen. H.P. Roentgen zeigt anhand von Beispielexposés, wie ein gutes Exposé aussehen könnte – oder auch nicht.
Eine Anleitung ist es also nicht.

Ich habe im vergangenen Jahr einen Roman zu einem Wettbewerb eingesandt und in diesem Rahmen ein Exposé geschrieben. Neben anderer Unterlagen. Und da es für die Verlags- oder Agentursuche nicht nur eines Exposés bedarf, ist das Thema das Artikels „Exposé – Teil des Konzepts“.

Um einen Verlag oder eine Agentur anzuschreiben, bedarf es etwas mehr, als „nur“ eines Konzepts - auch wenn dies der wichtigste Teil ist. Stellt euch eure Bewerbung genau wie eine solche vor, zumindest von seinen Teilen.

  • Anschreiben
  • Konzept (alle relevanten Unterlagen um einen ersten Eindruck von euch und eurem Roman zu erhalten)
  • Leseprobe (Arbeitsprobe)


Anschreiben

Das Anschreiben ist das erste, was der Verlagslektor oder der Agent als in die Hand bekommt. Es ist der Teil des Konzepts, der am Kürzesten ist und sogleich am meisten über dich verrät.

Bevor wir dazu kommen, was in ein Anschreiben gehört und wie es auszusehen hat, fange ich mit einer Liste dessen an, was ihr vermeiden solltet, wenn ihr nicht riskieren wollt, dass das Anschreiben und damit auch das Konzept in Ablage P landet.

Vermeidbare Fehler:

  • Rechtschreibung

Es sollte selbstverständlich sein, dass ich in meinem Anschreiben auf Rechtschreibung, Interpunktion und Grammatik achte.

  • Kein Butterbrotpapier abgeben

Wer ein fleckiges, mit Rissen und Zacken verziertes Stück Papier abgibt, ist selber schuld, wenn er nie eine Antwort vom Verlag oder der Agentur erhält.

  • Manuskripte sind nie vollendet

Vorsicht bei Formulierungen wie: „Soeben habe ich mein Werk beendet ...“. Verlage suchen Bücher, keine Werke. Besser ist es von einem Manuskript zu sprechen. Das zeigt dem Verlag/der Agentur, dass ich bereit bin, an meinem Roman zu arbeiten, zu feilen, zu polieren. Es zeigt meine Bereitschaft mit einem Lektor so lange zusammen zu arbeiten, bis der Roman bereit für eine Veröffentlichung ist.

  • Ein Text muss sich selbst erklären

Wer in seinem Anschreiben darauf hinweist, dass er zum Kapitel „xy“ mal noch eben was erklären muss, hat schon verloren. Denn ein Text muss sich selbst erklären.

  • Referenzen

Bitte wenn, dann nur echte Referenzen anführen. Dass Oma, Opa und der Rest der Verwandtschaft oder alle Freunde die Geschichte toll finden, wird einen Lektor nicht positiv beeinflussen. Eher im Gegenteil. Etwas anderes sind Einschätzungen oder Empfehlungen von bereits veröffentlichten Autoren. Die können am Rande mit einfließen und sichern vielleicht eine Grundaufmerksamkeit, wenn der Rest stimmt. Und erfindet keine Referenzen, das würde peinlich, wenn man erwischt wird.

  • Eigenen Stil hervorheben, statt die Inspiration durch Bestsellerautoren betonen

Es ist sicher nicht verkehrt, seinen eigenen Roman einzuordnen, stilistisch, sowie auch inhaltlich, aber es sollte nicht zu viel sein. Offensichtlich mit dem Stil von Hesse oder j.K. Rowling zu prahlen oder Inspirationen von Jane Austen oder J.R.R. Tolkin, wird die Chancen für die eigene Geschichte eher schmälern. Gerade bei unveröffentlichten Jungautoren kommt das eher arrogant beim Gegenüber an.

  • Schreiberfahrungen

Dass jeder seit seiner Schulzeit schreibt, ist klar. Gehört aber nicht in ein Anschreiben. Es sagt nichts aus. Besser ist es auf das Manuskript Bezug zu nehmen, also seit wann man ernsthaft schreibt. Natürlich können hier gute Platzierungen bei Wettbewerben angebracht werden oder Veröffentlichungen in Anthologien.

  • Form

Vermeidet unbedingt Stilmittel wir Fettdruck, Kursiv oder andere Hervorhebungen.

Wie mache ich es richtig? Kurz: Wie überzeuge ich den Lektor oder den Agenten, auch die restlichen Unterlagen durchzusehen?


Formales:

  • Maximal eine Seite lang. (Wie bei jeder anderen Bewerbung auch.)
  • Weißes Papier
  • DIN-A4
  • Einseitig beschrieben
  • Schwarze Schrift
  • Einfache Schrift (Times New Roman oder Arial)
  • Gut lesbare Schriftgröße (mind. 11 Pt, besser 12 Pt)
  • Ausreichend Zeilenabstand (mindestens einzeilig)
  • Linksbündiger Flattersatz

Aufbau und Inhalt des Anschreibens:
In ein Anschreiben gehört als allererstes dein Anliegen. Du musst sagen, was du willst. Außerdem solltest du eine Begründung liefern, warum der Lektor dir das geben sollte.
Also schreibe:

  1. Was du möchtest. (Du möchtest dem Verlag/der Agentur dein Manuskript anbieten.)
  2. Eine Begründung, warum der Verlag es dir geben sollte. (Ein Verweis auf das beiliegende Exposé und eine Erklärung warum gerade du bzw. dein Manuskript so besonders ist und von genau diesem Verlag verlegt werden muss./ … warum genau diese Agentur dich vertreten soll.)

Wie bei jeder anderen Bewerbung gilt auch bei einem Anschreiben an einen Verlag oder eine Agentur, etwas abzugeben, dass aus der Masse heraus sticht, aber dennoch nicht aufdringlich wirkt. Schreibe selbstbewusst, aber nicht großspurig und bleibe auch hier deinem Stil treu. Liefere etwas ab, mit dem du dich identifizierst, etwas einzigartiges, ein Stück von dir. Auf keinen Fall irgendein kopiertes Anschreiben.
Dein Anschreiben sagt viel über deine Person (ob beabsichtigt oder nicht). Nutze diesen Fakt zu deinem Vorteil! 

Briefkopf:
Jeder kennt es: den Briefkopf. Also nutzt ihn. Es gibt verschiedene Formen eines Briefkopfes. Experimentiert ruhig ein wenig.
Gebräuchlich ist:

  • rechtsbündig dein vollständiger (echter) Name mit Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Adresse deiner Homepage
  • linksbündig die vollständige Verlagsadresse mit Abteilung und Ansprechpartner

Ort und Datum:
Unter den Briefkopf gehört rechtsbündig Ort und Datum.

Danach wird alles linksbündig geschrieben.
Betreff:
Betreff vor den Betreff zu schreiben ist veraltet. Statt dessen schreibt man nur den Inhalt des Betreffs fett gedruckt in eine Zeile. Formuliert den Betreff kurz und schlicht, damit der Lektor/der Agent auf einem Blick weiß, was ihn erwartet. (Bspw.Manuskriptangebot) Ihr könnt das noch genauer spezifizieren, also z.B. das Genre hinzuschreiben oder den Arbeitstitel.
Anrede:
Die Anrede ist das erste, was auf diesem Anschreiben zu sehen ist und sollte nicht unbedingt: „Sehr geehrte(r) Herr/Frau Verlags(Agentur)lektor(in)“ lauten. Das macht keinen guten Eindruck. Besser ist es, einen Ansprechpartner zu nennen. Ich höre schon die Einsprüche. Und ihr habt Recht. Ich weiß nicht, wer der Ansprechpartner ist, aber unter Umständen kann ich das herausfinden. Wie das am besten geht, darüber zerbrechen sich Generationen von Schriftstellern den Kopf. Eine Möglichkeit – das wäre wahrscheinlich die erste, die ich versuchen würde – wäre, anrufen und fragen, an wen das Manuskript für die Abteilung „xy“ und dem Genre „z“ gesendet werden kann. Aber ich vermute mal, dass die Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung dahin gehend nicht sehr auskunftsfreudig sind.

Eure erste Aufgabe wird es also sein, euch zu überlegen, wie man an einen Namen, einen Ansprechpartner kommt und wie man in seinem Anschreiben evt. darauf eingeht. Ich werde dazu eine Frage einstellen. Vielleicht habt ihr auch schon Erfahrungen, die ihr mit uns teilen möchtet.

Falls man auf keinem Wege den Namen eines Ansprechpartners heraus findet, nimmt man die formelle Anrede:
„Sehr geehrte Damen und Herren,“
Der erste Satz:
Der erste Satz – das wissen wir vom Schreiben unserer Geschichten – ist immer der schwierigste. Er soll Interesse wecken und wenn möglich einen Bezug zum Verlag herstellen.
Vorstellung:
Hier folgen ein paar Worte zu deiner Person. Kurz und knapp. Wenn du eine Autorenvota beilegst, kannst du es weglassen.
Werdegang:

  • Wie bist du zum Schreiben gekommen?
  • Was zeichnet dich aus/macht dich besonders?
  • Wie sehen deine Schreiberfahrungen aus?

Fasse dich kurz aber mach deutlich, dass du weißt, wovon du sprichst. (Professionalität)
Wenn du keine Autorenvita beilegst, kannst du auch hier deine Veröffentlichungen angeben, sofern es nicht zu viele sind.
Manuskript und Pitch:
Hier verrätst du dem Lektor/dem Agenten zum ersten Mal etwas von deiner Geschichte. Und das sollte so formuliert sein, dass der Lektor einen Blick in dein Expose oder sogar in die Leseprobe riskiert. Sinnvoll finde ich es daher, einen Pitch einzufügen. (Beim Schneeflockenprinzip entspricht das der Aufgabe eins oder zwei.)

Ein Pitch ist „eine kurze Schilderung einer Geschichte in einem bis drei Sätzen. Sinn des Pitchs ist es nicht, die Geschichte komplett zu charakterisieren, sondern eine Gefühl dafür zu geben, worum es geht. Der Pitch dient vor allem dazu, Appetit zu machen, soll den Gegenüber neugierig auf die Geschichte machen.“ (Zitat: H.P. Roentgen, drei Seiten für ein Exposé, S. 187)

Außerdem kann man noch hinzufügen, warum man genau diese Geschichte geschrieben hat. Dabei kannst du wieder Bezug zum Verlag herstellen, indem du bspw. Auf das Verlagsprogramm eingehst, oder ähnliche Romane, die in dem Verlag erschienen sind/die von der Agentur an einen Verlag vermittelt wurden.
Ausblick:
Wenn du eine Reihe oder eine Trilogie schreibst, und schon an der Fortsetzung arbeitest, ist es wichtig, dass dem Verlag/der Agentur mitzuteilen. Wichtig ist aber auch, dass klar wird, dass der Roman auch einzeln stehen kann, also auch ohne Fortsetzung bestehen kann. Der Verlag geht erst einmal ein Risiko ein – vor allem mit einem noch unbekannten Autor – und kann das Risiko einer Veröffentlichung nicht abschätzen. Falls die Zusammenarbeit sich auf ein einzelnes Werk beschränken sollte – für das Fortsetzungen geplant waren – soll das Publikum nicht vergrault werden, weil der eine Roman einzeln nicht funktioniert.
Verabschiedung:
Dazu gehört natürlich eine Grußformel.
„Mit freundlichen Grüßen“ ist Standard.
Man kann natürlich auch – wie bei jeder anderen Bewerbung – eine Bitte anfügen, die zeigt, dass du mit einer Antwort rechnest. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einige Beispiele findest du bei schriftsteller-werden.
Unterschrift:
Eine Unterschrift gehört in jedem Fall auf das Anschreiben. Wenn möglich mit blauer Tinte oder mindestens mit einem blauen Kugelschreiber.
Darunter steht dein Name noch einmal in Druckbuchstaben, damit der Lektor/der Agent den Namen auf jeden Fall lesen und sich einprägen kann.
Anhang:
Als letztes gibst du an, was du angehängt hast.

  • Exposé
  • Vita
  • Leseprobe (x Seiten)

Was gehört noch in das Anschreiben?
An welchem Punkt der Arbeit befinde ich mich? Ist das Manuskript fertig geschrieben? Oder habe ich nur den Plot und die ersten Kapitel?

Konzept
Als Konzept wird auf o.g. Website die Gesamtheit aller relevanten Unterlagen für die Agentur- oder Verlagssuche bezeichnet. Ich habe es immer als „Bewerbungsunterlagen“ bezeichnet, weil das der einzige Begriff war, den ich damit in Zusammenhang brachte. Da ich aber „Konzept“ passender finde, werde ich diesen Begriff ab sofort verwenden.
Das müsst ihr natürlich nicht.

Nun kommen wir zu den einzelnen Teilen des Konzept. Dabei werde ich aus meinen eigenen Erfahrungen schöpfen und H.P. Roentgens „Drei Seiten für ein Exposé“ sowie Informationen von o.g. Website einflechten.
Als erstes kommen wir zum Lebenslauf, bei einem Schriftsteller wird der ganz modern „Vita“ genannt.

Vita
In die Vita, also den Lebenslauf, kommen nicht – wie wir es aus der Arbeits- oder Ausbildungsplatzsuche kennen – Schulbildung, Gelegenheitsjobs und Auflistung aller kreativen Pausen rein.
In der Autorenvita geht es um die Vorstellung deiner schriftstellerischen Qualifikation.
Hinein gehören Veröffentlichen (ohne Zuzahlung!) oder beispielsweise Kenntnisse bestimmter Gebiete, die dich zum Schreiben deines Buches besonders befähigen. Schreibst du z.B. einen technisch versierten Roman und bist Ingineur, so gehört das in die Vita. Oder hast du in Somalia gelebt und schreibst eine Geschichte, die in diesem Land spielt, dann gehört das auch dort hinein. Ich denke, es schadet nicht, wenn man Schreibkurse – egal ob in einem Schreibcamp oder einer Schreibschule – erwähnt. Ich würde hierbei aber nicht zu dick auftragen, da das sonst das genaue Gegenteil bewirken könnte.

Exposé und Kurzexposé
Nun zu dem Teil, der bei jedem Schreiberling für Magengrummeln sorgt: das Exposé.
Ein Exposé umfasst zwei bis drei Seiten, ein Kurzexposé nicht mehr als eine.
Was gehört nun rein, in das sagenumwobene Exposé?

  • Name des Autors
  • Arbeitstitel des Manuskriptes
  • Genre
  • Eventuell genauere Definition der Zielgruppe
  • Bei Kinder- und Jugendbüchern die Altersgruppe
  • Länge des Manuskriptes in Normseiten
  • Eventuell kurze Personenbeschreibung
  • Vollständige Inhaltsangabe
  • Eventuell Hintergrund/Handlungsort, Zeit der Geschichte

Die Punkte, vor denen das „eventuell“ steht, müssen nicht im Exposé auftauchen. Es kommt immer auf die Geschichte an.
Personenbeschreibungen sollten immer kurz sein und in die Inhaltsangabe mit einfließen. Die Figur und wie sie ist, sollte sich also aus dem Text ergeben, ganz so wie man es im Roman auch handhabt. Sind sehr viele Personen beteiligt oder gibt es sehr viele Informationen über jede einzelne Figur oder mannigfaltige Vernetzungen der Charaktere, kann es sich lohnen, eine extra Personenliste beizufügen.
Hintergründe zur Geschichte, z.B. bei historischen Romanen oder Fantasyromanen mit eigenem Weltenbau, sind meiner Meinung nach auch besser auf einem Extrablatt darzustellen. Sonst wird das Exposé schnell unübersichtlich. Eine kurze Vorstellung des Handlungsortes, die mit wenigen Worten auskommt, ist allerdings im Exposé unverzichtbar.
Eine genauere Definition der Zielgruppe wird z.B. notwendig, wenn die Geschichte genreübergreifend ist. Ein Krimi mit magischem Hintergrund? Wie die Geschichten des „Harry Dresden“ beispielsweise.
Außer der vollständigen Inhaltsangabe (und der Personenbeschreibung und Hintergrund der Geschichte) können die Angaben stichpunktartig zu Beginn des Exposés gemacht werden.

Vollständige Inhaltsangabe
Dies ist der wichtigste Punkt des Exposés, der die meiste Zeit erfordert und den größten Teil des weißen Raumes beansprucht.
Womit beginnen?
Ich kann nur sagen, womit ich begonnen habe und was meiner Meinung nach logisch ist: mit der Hauptfigur. Wer ist sie, was will sie? Schreibt dabei „keine langen Schilderungen mit allen Einzelheiten, sondern zeigen Sie die Eigenschaft, das Problem, das ihre Figur kennzeichnet.“ (Zitat H.P. Roentgen, Drei Seiten für ein Exposé, S. 102)
Also, beginnt mit der Hauptfigur und ihrem Problem und schildert dann, wie die Geschichte beginnt.
(Das ist nur eine Möglichkeit. Ihr könnt auch ganz anders anfangen.)
Wo beginnt die Geschichte?
Der Anfang muss klar sein, der Punkt, an dem der Motor der Geschichte startet. Damit startet auch die Inhaltsangabe. Anfang und Schluss bilden eine Klammer, also muss im Schluss die Anfangssituation/Anfangsfrage beantwortet sein.
Ich habe in meinem ersten Satz der Inhaltsangabe Namen und Alter der Prota genannt und den Ort, an dem die Geschichte spielt. Gleich im nächsten Satz kommt mein Pitch, kombiniert mit einer Personenbeschreibung einer wichtigen Nebenfigur und des Konfliktes. Es wird klar, worum es in der Geschichte geht, was meine Prota sucht. Macht euch also Gedanken über das Ziel eures Protas – das Ziel in der Geschichte. Was steht auf dem Spiel?
Schreibe konkret!
Was beim Schreiben des Manuskriptes gilt, gilt auch beim Exposé. Konkret schreiben, show don´t tell, keine Adjektivitis. Schreibe das Exposé so, wie du den Roman geschrieben hast, behalte die Erzählstimme bei und bleibe deinem Stil treu. So weiß der Lektor gleich, womit er es zu tun bekommt. Das Exposé ebnet den Weg zur Leseprobe.
Konkret werden:
Zu sagen, dass der Held mit widrigen Umständen zu kämpfen hat, sich ihm zahlreiche Feinde in den Weg stellen und er erfährt, dass er der Auserwählte ist, ist nicht konkret!

  • Was für Umstände sind es?
  • Welche Feinde?
  • Wie findet er heraus, dass er der Auserwählte ist. Etwas zu erfahren ist tödlich. Zumindest für ein Exposé oder ein Manuskript.

Kurz, chronologisch
Stelle den Inhalt kurz, aber spannend da. Zeige die Szenenfolge. Was passiert wann und warum? Was ist wichtig für die Geschichte. Das ist der wirkliche Drahtseilakt: herauszufinden, was in das Exposé an Inhalt eingehört.
Von Anfang bis Ende muss sich die Inhaltsangabe darstellen. Anfang, 1.WP, 2.WP, 3.WP …, Schluss. Wer gut geplant hat, muss im Prinzip nur noch abschreiben. Rückblenden sind tabu.
Konflikt gesucht
Wichtig ist es, die Hauptkonflikte zu erkennen. Nicht alle Konflikte, die in dem Roman vorkommen, gehören in die Inhaltsangabe. Hier tauchen nur die wichtigsten oder der wichtigste Konflikt auf. Der Konflikt, der Anfang und Ende miteinander verbindet und an dem sich die spannenden Punkte befinden. Der Konflikt, der die Frage einleitet und durch den Schluss zur Lösung kommt.
Psst – es wird spannend
Um ein Exposé spannend zu schreiben musst du natürlich wissen, was an deiner Geschichte spannend ist. Es lohnt sich, länger als fünf Minuten darüber nachzudenken oder andere Autoren, Testleser zu fragen. Ist es die erfundene Fantasywelt oder doch der kleine Junge, der sich gegen den allmächtigen Magier wehren muss? Ist es die Geschichte des reichen, verwöhnten Mädchens oder die des Butlers? Was ist wirklich spannend?
Deus ex Machina
Achtet auf die Logik. Für einen Roman wie auch für ein Exposé ist Deus ex Machina tödlich. Nichts geschieht zufällig.
„Romane unterscheiden sich vom wirklichen Leben dadurch, dass in Romanen alles einen Sinn haben muss …“ (Zitat H.P. Roentgen, Drei Seiten für ein Exposé, S. 70)
Magische Artefakte
Für alle Fantasyschreiber ist wichtig, dass der magische Gegenstand allein nicht reicht. Verlasst euch nicht auf die Magie und erklärt nicht alles damit. Wichtiger sind die Figuren, die Beziehungen zueinander und menschliche Fehler oder Erfolge. Wenn ich einen Roman schreibe, in dem alles mit Hilfe von Magie gelöst werden kann, ist das sicherlich nicht sehr spannend.

Ich denke, diese Liste wird im Laufe dieses Monats und zukünftig erweitert. Dazu sind alle Mitglieder aufgerufen. Wenn euch noch Punkte einfallen ergänzt sie.

Zum Schluss möchte ich euch noch eine Checkliste an die Hand geben, wie ich sie in H.P. Roentgens „Drei Seiten für ein Exposé“ auf Seite 131 gefunden habe.

  1. Wer ist die Hauptperson, der Protagonist?
  2. Worum geht es, was steht auf dem Spiel?
  3. Wer ist der Gegenspieler, der Antagonist? Falls es keine Person ist, was sind die antagonistischen Kräfte?
  4. Womit beginnt die Geschichte, was setzt sie in Gang?
  5. Wie viele Personen tauchen im Exposé auf? Wenn es mehr als fünf sind, welche können sie am ehesten streichen?
  6. Tauchen Personen auf, die wieder verschwinden, ohne auf den Plot Einfluss zu nehmen?
  7. Finden sich allgemeine Sätze, die etwas behaupten ohne es zu zeigen?
  8. Steht in jedem Absatz immer nur ein Ereignis oder sind verschiedene vermischt?
  9. Was ist der Hintergrund, das Setting, in welcher Zeit, an welchem Ort spielt die Geschichte?
  10. Steigern sich die Schwierigkeiten für den Helden im Laufe des Exposés?
  11. Was leitet das Ende, den Schluss ein (bei einem Standarexposé)? Lockt das Exposé dazu, den Text lesen zu wollen (beim Klappentextexposé)?
  12. Werden dem Helden im Exposé von außen Hindernisse aus dem Weg geräumt, anstatt dass er das selbst tut? Werden ihm die wichtigsten Fragen von anderen beantwortet, anstatt das er selbst die Antwort findet?
  13. Ändert sich der Held während der Geschichte?
  14. Beantwortet das Ende die Frage vom Anfang? Kommt das Ende wieder auf den Anfang zurück, klammert also die Geschichte?
  15. Gibt es einen Ausblick, wird die Geschichte mit Ereignissen außerhalb verknüpft?

Die Sache mit dem Lektorat

Die Chancen, ein Manuskript von einem Verlag veröffentlichen zu lassen, sind sehr gering. Die Chancen, ein nicht- lektoriertes Manuskript von einem Verlag veröffentlichen zu lassen, sind vermutlich so hoch wie eine Meisterschaft der Frankfurter Eintracht diese Saison.

Jeder, aber absolut jeder mit dem ich über dieses Thema gesprochen habe, hat mir dringend dazu geraten, mein Manuskript lektorieren zu lassen.  Und das mit Recht. Zum einen werden die Verlage zugebombt mit  Leseproben und Manuskripten. Angeblich mehrere Dutzend pro Tag. Muss noch schlimmer sein als Bewerbungen bei Porsche. Als Verlagsmitarbeiter würde ich auch nicht alles lesen wollen. Ist ein Manuskript ordentlich lektoriert, weiß ich zumindest, dass vorab schon mal ein Profi das Werk kritisch betrachtet und verbessert hat. Und der Autor ist sich seiner so sicher, dass er eine Stange Geld investiert hat. Denn ein Lektorat ist nicht günstig.

Abgerechnet wird zumeist pro Normseite. Eine Normseite ist definiert als eine Seite mit 30 Zeilen zu je maximal 60 Anschlägen. Anschlägen? Unser alter Freund, die Schreibmaschine lässt grüßen.

Der zweite Kostenfaktor ist der Umfang des Lektorats.

Die Preise schwanken zwischen ca.5,. EUR für eine einfache Rechtschreib- und Grammatikkontrolle Bis hin zu ca. 9,- EUR für das rundum sorglos Paket, dass eine vollständige Prüfung hinsichtlich Spannungsbogen, Charakterentwicklung und Dialog beinhaltet.  Wie gesagt: pro Seite! Letzteres wäre für mich natürlich das Beste, aber auch die teuerste Alternative. Ohne Garantie, dass mein Text als gebundenes Buch den Weg in das Regal der Buchhändler findet und ich von der Investition etwas wiedersehe.

 

Mark Twain's rules for writers

1. A tale shall accomplish something and arrive somewhere.

2. The episodes of a tale shall be necessary parts of the tale, and shall help develop it.

3. The personages in a tale shall be alive, except in the case of corpses, and that always the reader shall be able to tell the corpses from the others.

4. The personages in a tale, both dead and alive, shall exhibit a sufficient excuse for being there.

5. When the personages of a tale deal in conversation, the talk shall sound like human talk, and be talk such as human beings would be likely to talk in the given circumstances, and have a discoverable meaning, also a discoverable purpose, and a show of relevancy, and remain in the neighborhood of the subject in hand, and be interesting to the reader, and help out the tale, and stop when the people cannot think of anything more to say.

6. When the author describes the character of a personage in his tale, the conduct and conversation of that personage shall justify said description.

7. When a personage talks like an illustrated, gilt-edged, tree-calf, hand-tooled, seven-dollar Friendship’s Offering in the beginning of a paragraph, he shall not talk like a Negro minstrel at the end of it.

8. Crass stupidities shall not be played upon the reader by either the author or the people in the tale.

9. The personages of a tale shall confine themselves to possibilities and let miracles alone; or, if they venture a miracle, the author must so plausably set it forth as to make it look possible and reasonable.

10. The author shall make the reader feel a deep interest in the personages of his tale and their fate; and that he shall make the reader love the good people in the tale and hate the bad ones.

11. The characters in tale be so clearly defined that the reader can tell beforehand what each will do in a given emergency.

An author should

12. Say what he is proposing to say, not merely come near it.

13. Use the right word, not its second cousin.

14. Eschew surplusage.

15. Not omit necessary details.

16. Avoid slovenliness of form.

17. Use good grammar.

18. Employ a simple, straightforward style.

 

George Orwell's Rules for Writers

  1. Never use a metaphor, simile or other figure of speech which you are used to seeing in print.
  2.  Never use a long word where a short one will do.
  3.  If it is possible to cut a word out, always cut it out.
  4. Never use the passive where you can use the active.
  5. Never use a foreign phrase, a scientific word or a jargon word if you can think of an everyday English equivalent.

 

Elmore Leonard's rules for writers

1 Never open a book with weather. If it's only to create atmosphere, and not a charac­ter's reaction to the weather, you don't want to go on too long. The reader is apt to leaf ahead look­ing for people. There are exceptions. If you happen to be Barry Lopez, who has more ways than an Eskimo to describe ice and snow in his book Arctic Dreams, you can do all the weather reporting you want.

2 Avoid prologues: they can be ­annoying, especially a prologue ­following an introduction that comes after a foreword. But these are ordinarily found in non-fiction. A prologue in a novel is backstory, and you can drop it in anywhere you want. There is a prologue in John Steinbeck's Sweet Thursday, but it's OK because a character in the book makes the point of what my rules are all about. He says: "I like a lot of talk in a book and I don't like to have nobody tell me what the guy that's talking looks like. I want to figure out what he looks like from the way he talks."

3 Never use a verb other than "said" to carry dialogue. The line of dialogue belongs to the character; the verb is the writer sticking his nose in. But "said" is far less intrusive than "grumbled", "gasped", "cautioned", "lied". I once noticed Mary McCarthy ending a line of dialogue with "she asseverated" and had to stop reading and go to the dictionary.

4 Never use an adverb to modify the verb "said" . . . he admonished gravely. To use an adverb this way (or almost any way) is a mortal sin. The writer is now exposing himself in earnest, using a word that distracts and can interrupt the rhythm of the exchange. I have a character in one of my books tell how she used to write historical romances "full of rape and adverbs".

5 Keep your exclamation points ­under control. You are allowed no more than two or three per 100,000 words of prose. If you have the knack of playing with exclaimers the way Tom Wolfe does, you can throw them in by the handful.

6 Never use the words "suddenly" or "all hell broke loose". This rule doesn't require an explanation. I have noticed that writers who use "suddenly" tend to exercise less control in the application of exclamation points.

7 Use regional dialect, patois, sparingly. Once you start spelling words in dialogue phonetically and loading the page with apos­trophes, you won't be able to stop. Notice the way Annie Proulx captures the flavour of Wyoming voices in her book of short stories Close Range.

8 Avoid detailed descriptions of characters, which Steinbeck covered. In Ernest Hemingway's "Hills Like White Elephants", what do the "Ameri­can and the girl with him" look like? "She had taken off her hat and put it on the table." That's the only reference to a physical description in the story.

9 Don't go into great detail describing places and things, unless you're ­Margaret Atwood and can paint scenes with language. You don't want descriptions that bring the action, the flow of the story, to a standstill.

10 Try to leave out the part that readers tend to skip. Think of what you skip reading a novel: thick paragraphs of prose you can see have too many words in them.

My most important rule is one that sums up the 10: if it sounds like writing, I rewrite it.

 

 

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By Elmore Leonard